Bei uns im Garten vögeln die Vögel wieder

Bei uns im Garten vögeln die Vögel wieder

Die hohe Zeit der Brut hat in der Natur begonnen.

Bei uns im Garten vögeln die Vögel wieder

Der April ist die lauteste Jahreszeit, das Balzgeschäft und die Abwehr von Nistkasten-Konkurrenten verlangt wohl lautstarke Liebesbeteuerungen und regen Austausch von Argumenten.

Sobald die zweite Brut durch ist, ab Ende Juni/Anfang Juli wird es wieder still im Garten.

Die Zeiten, da man nur im Winter füttern müssen, sind lange vorbei. Wenn die Vögel in der anstrengenden Brut und Aufzuchtzeit nicht gefüttert werden, ist der Bruterfolg mittlerweile massiv gefährdet.

80 Prozent der Insekten sind verschwunden.

Durch Pestizide und respektlose Gartengestaltung der Privatgärtner, sind in den letzten Jahren 80 Prozent der Insekten verschwunden. Das größte Artensterben, seit den Dinosauriern, sagen Experten.

Die Vögeleltern benötigen aber die Insekten, um ihre Kinder zu füttern. Wenn sie sich die letzten, wenigen Verbliebenen mit ihrer Brut teilen müssen, werden wir in den nächsten fünf Jahren immer weniger und weniger Bruterfolge erleben und bald werden Küken, die zu starken, gesunden Vögeln heranwachsen können, die Ausnahme sein. Weil die Eltern ihnen beim Verhungern zusehen müssen.

Futter- und Nistangebote sind mittlerweile unverzichtbar.

Nistkästen passen in jede Hecke
Nistkästen passen in jede Hecke

Darum ist es unabdingbar notwendig, an jedem irgend möglichen Strauch/Baum/Wand, Nistmöglichkeiten aufzuhängen und in der Nähe stets gefüllte Futterröhren, Wasserstellen und, ganz wichtig weil leider meist vergessen, Bademöglichkeiten anzubieten.

Dann können die Eltern sich ohne Kraftaufwand stärken und für ihre Kinder die letzten Insekten suchen.

Wir hatten im vergangenen Jahr tatsächlich mit dieser Methode mehrere zig Paare, die zwei, oder sogar drei mal mit Erfolg gebrütet haben.

Sehr zu empfehlen: Das Buch „Unsere Vögel“ von Peter Berthold.

Peter Berthold, Professor für Ornithologie an der Uni Radolfzell, ist ein kraftvoller Verfechter der Ganzjahresfütterung geworden.

Frohe Botschaft, jeder kleinste Garten kann zu einer Lebens-Insel werden.

Seine frohe Botschaft ist, dass man auch in kleinsten Gärten Biotope schaffen kann, in die sowohl Vögel, als auch Insekten gerne zurückkehren.

Die glattgebügelten Gärten vieler Reihenhausbesitzer, jedoch lehnt er ab.

Auf die Frage der „Zeit“, was er über Deutsche Gärten denkt sagt er : „Zu über 90Prozent sind das Psychopatengärten mit runtergehobelten Psychopatenrasen. Es ist eine Frechheit, ein Stück, des von Gott gegebenen Landes, so zu missbrauchen. Wenn ich Kaiser von Deutschland wäre, würde ich ein Dekret erlassen: Ab ersten Januar 2019 hätte jeder Garten naturgerecht bepflanzt zu sein und wer das nicht macht, dem wird der Garten weg genommen. Dann bekämen andere Leute den Garten (….) Wenn alle Gärten naturnah wären, dann hätten wir deutschlandweit einen Biotopverband“.

Eine charmante Idee. Ich wäre dafür. Auch mir tut es immer weh, wenn ich an diesen grünen, toten Gartenauslegewaren, oder noch schlimmer, verdichteten Kiesvorgärten vorbeigehe.

Überm Gartenzaun wird aber tränenreich darüber geklagt, dass die Vogelkinder verhungern und die Insekten sterben und dann gehts zurück ins Reihenhaus, den Rasen düngen und die (wertlosen, weil pollenlosen Petunien und Geranien) aufzuhängen.

Jeder kann und muss seinen eigenen, kleinen Teil tun.

Und sei es nur, im Gartencenter eine Weile still zwischen den Stauden zu stehen und zu beobachten, welche Blumen am meisten von Hummeln und Schwebefliegen angeflogen werden. Und dann diese zu kaufen, anstelle von Geranien, die niemandem dienen und nix als schöner Schein sind.

Nistkästen kann man nicht genug anbieten

Wir haben ca. 40 Nistkästen angebracht und alle, wirklich alle sind belegt.

Nachdem ich letzte Woche das Interview mit Professor Bertold gelesen hatte, habe ich noch mal 10 Stück bei Vivara ( 8,99€/Stück) bestellt und Thomas hat sie mit Kabelbinder in den Bäumen befestigt. Natürlich bohren oder hämmern wir nicht an Bäumen herum. Zwei Tage später, waren auch die Neuen alle belegt.

Ein wunderschönes Geflatter, Gepiepse, Gezwitschere und alle Futterröhren und Teiche sind voller bunter Vögel.

Artenreichtum durch naturgerechte Gärten

Brombeerwall als Schutz und Lebnsraum für Bodenbrüter wie z.B. Rotkehlchen
Brombeerwall als Schutz und Lebnsraum für Bodenbrüter wie z.B. Rotkehlchen

Im Moment brüten bei uns u.a. Blaumeisen, Kohlmeisen, Bachstelzen, Kleiber, Gierlitze, Grünfinken, Rotkehlchen, Buchfinken, Zaunkönige, Tauben, Heckenbraunellen, Schwalben, Gartenrotschwänze…. Eine bunte Familie, die uns viel Freude macht.

Schwalbenaufzucht in unserem Schlafzimmer

In den letzten zwei Jahren hat übrigens ein Rauchschwalbenpaar in unserem Schlafzimmer gebrütet. Da unsere beiden Schlafzimmerfenster im Winter und Sommer tags und nachts immer offen stehen, fingen sie im April plötzlich an, auf der Gardinenstange ihr Nest zu bauen. Ich wachte von der Schwalbensprache auf und dachte, ich sehe nicht richtig.

Wir waren gerührt und haben das als große Ehre empfunden. Irgendwann konnte ich dann im Bett das erste Piepiepiep der kleinen, frisch geschlüpften Schwälbchen hören und in den nächsten drei Wochen zusehen, wie sie gefüttert, versorgt und aufgezogen wurden. Dann sah man die kleinen Köpfchen über der Gardinenstange und bald war das Nest wieder leer und das Schlafzimmer verwaist.

Eine wunderschöne Erfahrung. Zwei Wochen nach dem Auszug, fingen die Eltern an, ein zweites Nest an der anderen Stangenseite zu bauen und noch einmal kamen vier kleine Schwalben durch. Da wussten wir, dass unsere Art, den Garten zu bepflanzen, wohl doch allerhand Insekten Lebensraum bietet. Denn Schwalben können mit Körnern nichts anfangen, sie benötigen Insekten.

Kann ein Garten zu klein sein?

Vogelfüttern im Winter gerade in der Großstadt wichtig
Vogelfüttern im Winter gerade in der Großstadt wichtig
auch ein winziger Großstadtgarten kann lebendig sein
auch ein winziger Großstadtgarten kann lebendig sein

Nein, jeder Quadratmeter Erde, die verantwortungsbewusst betreut wird, kann für Insekten, Pflanzen, Kleinlebewesen und Vögel eine Insel bieten.

Ihr wisst ja mittlerweile, dass ich eine Hälfte des Monats in Berlin lebe und die andere am Rande eines Dorfes, im Münsterland.

In Westfalen habe ich fast 5000qm Platz für Vogelfutterhecken, Vogelschutzwälle, Brutgestrüppe, dichte, mehrere Meter breite Brombeerwälle für die Bodenbrüter, Teiche, diverse Wasserstellen für Insekten, für Kleinlebewesen, Amphibien, Vögel und Säuger, Obstwiese und viel Platz für unsere Hauptnahrung Wildkräuter und für bunte Bienenfutterpflanzen.

In Berlin ist mein Garten nur 50qm groß, aber Ihr müsstet mal sehen, wie viele Vögel sich dort tummeln.

Ein altes Hochbeet haben wir mit Folie ausgekleidet und mit 600Litern Wasser und Teichpflanzen gefüllt. Ein dicker Ast, den wir aus Münster mitgenommen hatten, liegt so darin, dass wir Sommers wie Winters zig Vögel beim Baden beobachten können. Im Winter mehr Meisen und Spatzen, im Sommer Stare, Rotkehlchen und Grünfinken.

Kleine Paradiese auch in Berlin Mitte.

Im kleinen Stadtgarten, Vogelbadeteich aus alten Hochbeeten
Im kleinen Stadtgarten, Vogelbadeteich aus alten Hochbeeten

Wenn ich in Berlin Besuch oder Klienten habe, passiert es oft, dass das Gespräch irgendwann einschläft, weil die Gäste nur noch Augen für das rege, putzige Leben im Teich, in der Hecke und an den Futterröhren haben. Eine rührende Erinnerung an unseren genetische Art zu Leben, die in einem kleinen Berliner Garten nicht erwartet wurde.

Ich habe wohlhabende Bekannte, in 200qm Altbauwohnungen, mit drei Meter hohen Stuckdecken und Designermöbeln auf dem Prenzlauer Berg, aber wenn wir uns verabreden, möchten sie lieber in meine kleine zwei Raum Butze in Mitte kommen, weil sie die Tiere beobachten möchten. Ein Fuchs war übrigens auch schon da.

Sorry. Es gibt keine Ausrede, jetzt und heute, kleine Änderungen vorzunehmen.



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